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Teil 2. Kein Allgemeinplatz.

Wir wissen doch schon alles, haben alles erlebt, können alles beurteilen, wir sind die Weltmeister. Genauso allgemein, wie sich das anhört, ist unser Qualitätsverständnis. Scheinbar. Wir wissen um Qualität. Denken wir.

Sonntag, viertel nach acht. Zeit für den Tatort. Eine „Qualitätsserie“ des öffentlich rechtlichen Fernsehens. Kaum ist der berühmte Vorspann beendet, beginnt auf Facebook und Twitter eine wahre Flut von Kommentaren und vor allen Dingen die Demaskierung der nicht vorhandenen Qualität. Handwerkliche Unzulänglichkeiten, Drehbuchschwächen, schauspielerische Leistungen – das Publikum ist hart – nur selten hält ein Tatort dem Urteil stand. Aber wie geht das? Nach über 900 Folgen, seit 1970 ausgestrahlt, hat es das Format nicht geschafft, eine Qualität kontinuierlich zu produzieren. Sicherlich ist es auch immer eine Geschmacksfrage, aber die Mängel in der Ausführung sollten doch irgendwann verschwunden sein. Fehlanzeige. Und so denkt man, das Erste sollte um Fernsehqualität Bescheid wissen, tut es aber nicht.

Ein anderes Beispiel. Der Wahlkampf der Grünen war in den letzten Jahren geprägt vom Verbieten, vom Nörgeln, vom Aufzeigen von Schwächen und Mängeln in der Politik und in unserer Gesellschaft. Bei der letzten Bundestagswahl sind sie wieder Verlierer gewesen, haben sogar die Oppositionsführung an die Linken abgeben müssen. Ein fataler Tiefschlag für die Partei der guten Absichten. Politische Kommunikation ist schwierig und doch nicht. Die CDU hat mit Helmut Kohl und dessen Konterfei teilweise sehr erfolgreich kommuniziert. Ähnlich hat es Gerhard Schröder gemacht und Angela Merkel hat diesen Stil der ikonenhaften Darstellung ebenfalls sehr erfolgreich genutzt. Was bedeutet das? Wir Menschen lassen uns schnell von Oberflächlichkeiten beeinflussen – ein Grund, weshalb wir Amerikaner auf unseren Reisen in die USA immer als sehr viel freundlicher erleben, als wir Europäer es von uns glauben – denn oberflächlich ist der Amerikaner zu jedem freundlich – er besitzt ein Set von Floskeln, die jede Situation positiv einleiten. Das mögen wir Menschen. Ein lächelndes Gesicht fesselt, fasziniert uns. Zeitschriften mit entsprechenden Coverfotos werden häufiger gegriffen, als Zeitschriften ohne Gesichter. Kein Phänomen, sondern die Absicht des Menschen in Gesellschaft sein zu wollen. These: Hätten die Grünen diese Prinzipien mit ihren wichtigen und sicherlich auch teilweise sehr richtigen Inhalten verbunden, dann wäre vielleicht der eine oder andere sehr wichtige Prozentpunkt mehr auf dem Konto der Partei gelandet, was den Ausgang der Wahl komplett verändert hätte können. Was ist der Grund für diese Unfähigkeit, richtig und gut zu kommunizieren?

Es ist ein mangelndes Qualitätsverständnis in der Ganzheitlichkeit von Konzepten. Auf der einen Seite der Tatort, der uns aufregt. Auf der anderen Seite die Grünen, die es nicht schaffen, Ihre guten Absichten positiv und damit auch erfolgreich zu kommunizieren. Nur zwei Beispiele, die aufzeigen, das Qualität kein bekannter und vor allen Dingen beherrschter Allgemeinplatz ist. Nein, wir wissen eigentlich sehr wenig um Qualität, obwohl wir sie dann doch immer wieder in unserem Alltag finden – nur wirklich herstellen können wir sie nur ganz selten. Obwohl wir es doch können müssten. Gerade wir, die wir uns um Marketing kümmern müssen.

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